Vor Paris 1926: Die Geschichte der Heiligen Birma beginnt frĂŒher
Drei zeitgenössische Spuren aus den Jahren 1922, 1925 und 1926 werfen neues Licht auf die frĂŒhe öffentliche Geschichte der Heiligen Birma in Frankreich. Was ist belegt, was bleibt offen?
Geschichte beginnt nicht mit einem einzigen Foto
In vielen Darstellungen gilt die internationale Katzenausstellung in der Salle Wagram in Paris im Mai 1926 als öffentlicher Beginn der Heiligen Birma. Dieses Ereignis ist durch zeitgenössische Pressefotografien gut dokumentiert, muss aber nicht der Anfang der Ăberlieferung sein.
Unsere Untersuchung französischer Zeitungen, veterinĂ€rmedizinischer Literatur und Ausstellungsergebnisse weist auf frĂŒhere Spuren hin. Die Jahre 1922, 1925 und 1926 mĂŒssen sorgfĂ€ltig unterschieden werden.
1922 â eine Katze, die als Birma bezeichnet wurde
La LibertĂ© erwĂ€hnte am 23. Dezember 1922 Mme LĂ©otardi mit einer weiblichen Katze, die als « chatte de Birmanie » bezeichnet wurde. Die Beschreibung hebt ein siamesenĂ€hnliches Aussehen und weiĂe Pfoten hervor. Damit ist die Bezeichnung bereits fĂŒr ein konkretes Tier in Frankreich belegt.
Der Zeitungsausschnitt nennt keinen Katzennamen. Daher können wir nicht behaupten, dass es sich um Poupée de Madalpour handelte. Ebenso beweist eine ZeitungsprÀsentation allein keine Teilnahme an einer organisierten Katzenausstellung.

1925 â Mme LĂ©otardi in Angers
In der am 14. Juni 1925 veröffentlichten Preisliste von LâExpress dâAngers et de lâOuest stehen zwei EintrĂ€ge fĂŒr « Chat de Birmanie » mit Mme LĂ©otardi als Ausstellerin. Ein Eintrag betrifft eine Katze mit dem ersten Preis, der andere ein Jungtier mit dem dritten Preis. Beide tragen die Nummer 317.
Damit ist eine AusstellungsprÀmierung vor Paris 1926 dokumentiert. Die beiden Zeilen beweisen allerdings nicht zwei unterschiedliche Tiere. Es könnte dieselbe Katze in verschiedenen Klassen oder ein Druck-/Nummernfehler sein. Ein individueller Katzenname fehlt.
Der 14. Juni ist das Erscheinungsdatum der Zeitung; der genaue Tag der betreffenden Bewertung ist damit nicht gesondert bestÀtigt. Der vollstÀndige Ausstellungskatalog bleibt eine wichtige fehlende Quelle.

1925 â die Rasse in der veterinĂ€rmedizinischen Literatur
Der Tierarzt Philippe Jumaud behandelte die Bezeichnung Chat de Birmanie in seiner Dissertation Les Races de Chats von 1925 und erwĂ€hnte Mme LĂ©otardis Erfahrung mit mehreren WĂŒrfen. Zwei untersuchte Kater bezeichnet er in der betreffenden Tabelle nur als Sujet I und Sujet II. SpĂ€tere Namen dĂŒrfen ihnen nicht ohne weitere Belege zugeordnet werden.
Der Text zeigt, dass die Rasse und ihre Zucht bereits vor dem bekannten Pariser Ereignis fachlich diskutiert wurden.
1926 â Salle Wagram, Paris
Die Ausstellung in der Salle Wagram im Mai 1926 bleibt ein Meilenstein. Die BibliothĂšque nationale de France bewahrt zeitgenössische Aufnahmen der Agence Rol auf, darunter eine Fotografie, die Mme Marcelle Adam mit einer Heiligen Birma zugeordnet wird. Solche Originalbilder sind fĂŒr die Geschichte des Rassetyps besonders wertvoll.
Die Preisliste von Angers ist jedoch Àlter. Beide Ereignisse liefern unterschiedliche Beweise: ein gedrucktes Ausstellungsergebnis und historische Pressefotografien.

War Angers die allererste Ausstellung?
Nach heutigem Stand ist Angers 1925 der frĂŒheste dokumentierte Ausstellungshinweis in den bisher geprĂŒften Unterlagen. Daraus folgt nicht, dass dies die erste Ausstellung ĂŒberhaupt war. Ăltere Kataloge könnten weitere Spuren enthalten.
Die Zeitungsnennung von 1922, die Preisliste von 1925 und das Foto von 1926 mĂŒssen als drei unterschiedliche Quellentypen verstanden werden.
Die Forschung geht weiter
Wir suchen den ursprĂŒnglichen Katalog von Angers, Richterunterlagen, historische Fotos und Ă€ltere Ausstellungsberichte. Unser Ziel ist die sichere Identifizierung der Nummer 317 und die VerknĂŒpfung frĂŒher Tiere mit dokumentierten Namen und StammbĂ€umen.
Die Geschichte der Heiligen Birma soll anhand von Originalquellen geprĂŒft und bei neuen Funden sorgfĂ€ltig ergĂ€nzt werden.
Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur
- La Liberté, 23. Dezember 1922 (Mme Léotardi und « chatte de Birmanie »).
- Philippe Jumaud, Les Races de Chats (1925), Chat de Birmanie, S. 40â41. PDF
- LâExpress dâAngers et de lâOuest, 14. Juni 1925, « LâExposition fĂ©line â PalmarĂšs ». Gallica
- Agence Rol / BnF, historisches Foto, Salle Wagram, Paris 1926.
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Historischer Artikel · Birmakredsen · 2026