Ein DNA-Abschnitt, der ein Merkmal beeinflussen kann.
Ich bin seal-point mit weißen Pfoten. Klingt einfach. Dann entdeckten die Menschen die Genetik – und jetzt haben sie Tabellen. Vor dem ersten Punnett-Quadrat empfehle ich Leckerli.
Kurz gesagt: Ein Kitten erhält Erbgut von Mutter und Vater. Manche Merkmale werden schon mit einer Variante sichtbar, andere brauchen dieselbe rezessive Variante von beiden Eltern. Und jedes Kitten ist eine neue Ziehung – 25 % bedeutet nicht automatisch genau ein Kitten in einem Viererwurf.
Eine bestimmte Version eines Gens.
Was die Katze genetisch trägt.
Was wir tatsächlich sehen.
Warum ist die Birma pointed?
Die Pointfärbung entsteht durch eine temperaturempfindliche Variante im TYR-Gen. Pigment wird in kühleren Körperbereichen besser gebildet, deshalb sind Gesicht, Ohren, Beine und Schwanz dunkler. Darum werden Birma-Kitten auch sehr hell geboren und entwickeln ihre Points erst nach der Geburt.
Die klassische Pointvariante wird meist cs geschrieben. Eine Birma mit normalem Rassephänotyp trägt zwei Kopien dieser Variante.

Seal, Blau, Chocolate und Lilac
Zwei Fragen erklären diese vier Farben: Ist die Grundfarbe seal oder chocolate? und ist sie verdünnt?
Schwarzes Pigment, das in den Points dunkelbraun erscheint.
B/- D/-Seal mit zwei Verdünnungsvarianten.
B/- d/dZwei chocolate-Varianten; rezessiv gegenüber seal.
b/b D/-Chocolate plus Verdünnung.
b/b d/dVerdünnung ist rezessiv. Eine seal- oder chocolatefarbene Birma kann die Verdünnung unsichtbar tragen.

Rot, Creme und Tortie
Rot/Orange liegt auf dem X-Chromosom. Ein normaler Kater hat nur ein X und ist daher rot/creme oder nicht-rot. Eine Kätzin hat zwei X-Chromosomen und kann eine rote und eine nicht-rote Variante tragen – dann ist sie tortie.
Ein roter Kater gibt sein rotes X an alle Töchter, nie an seine Söhne. Tortie-Kater sind selten und beruhen meist auf besonderen Chromosomenverhältnissen oder Mosaik/Chimärismus.

Tabby, Silver und Smoke
Tabby ist ein Muster, keine Grundfarbe. Das Agouti-System macht helle und dunkle Bänder im Haar sichtbar und erzeugt Streifen in den Points. Rot und Creme können auch ohne eine einfache Agouti-Erklärung deutliche Streifen zeigen.
Silver und Smoke entstehen durch eine Pigmenthemmung, die den unteren Teil des Haares heller lässt. Bei Birmas zeigt sich das in den Points als Silver Tabby oder Smoke.
Die weißen Handschuhe haben eigene Genetik
Die weißen Pfoten der Birma sind nicht einfach gewöhnliche Weißscheckung. Eine Birma-typische Variante im KIT-Gen wird rezessiv vererbt. Die meisten reinrassigen Birmas tragen zwei Kopien.
Ein DNA-Test kann aber nicht vorhersagen, ob Höhe, Symmetrie und Sporen ausstellungsideal werden.

Was können die Kitten werden?
Die Beispiele zeigen jeweils nur ein Merkmal.
Seal, Verdünnungsträger × Blau
D/d × d/d ergibt pro Kitten 50 % nicht-verdünnt und 50 % verdünnt; alle nicht-verdünnten Kitten tragen d.
Seal Chocolate-Träger × Seal Chocolate-Träger
B/b × B/b ergibt 25 % B/B, 50 % B/b und 25 % b/b – also ungefähr 75 % seal und 25 % chocolate, wenn andere Gene ignoriert werden.
Roter Kater × seal Kätzin ohne Rot
Alle Töchter erhalten das rote X des Vaters und werden tortie; die Söhne erhalten sein Y und bleiben nicht-rot.
Tortie-Kätzin × seal Kater
Statistisch können 50 % der Töchter tortie und 50 % nicht-rot sein; bei den Söhnen 50 % rot und 50 % nicht-rot. Das sind Wahrscheinlichkeiten pro Kitten.
Anerkannte Birma-Farben
FIFe erkennt Seal, Blau, Chocolate, Lilac, Rot und Creme als Point-Grundfarben sowie die passenden Tortie-, Tabby-, Smoke- und Silver-Tabby-Kombinationen an. Der EMS-Code lautet SBI.
Cinnamon, Fawn und andere Katzenfarben gehören nicht zu den FIFe-anerkannten Birma-Farben.
Alle Farben mit EMS-Codes →Genetik ist mehr als Fellfarbe
Birmas können A, B oder AB haben. Das ist bei Transfusionen und in der Zucht wichtig.
Blutgruppen →Es gibt Hinweise auf eine erbliche Komponente der Anfälligkeit, aber FIP ist keine einfache Ein-Gen-Erkrankung. Kommerzielle “FIP-Resistenz”-Gentests sollten nicht als Zuchtgrundlage verwendet werden.
FIP →Ein Test ist nur dann sinnvoll, wenn die Variante wirklich validiert ist und das Ergebnis eine vernünftige Entscheidung beeinflusst.
Verwandtschaft, Inzucht und genetische Vielfalt lassen sich nicht anhand einer einzigen DNA-Variante beurteilen.
Stammbaum-Datenbank →Detail: MPS VI – zwei Varianten nicht verwechseln
Die krankheitsassoziierte L476P-Variante und die häufige D520N-Variante sind nicht dasselbe. D520N allein ist nicht als krankheitsverursachend belegt; Forschung warnt davor, Birmas allein deswegen aus der Zucht zu nehmen.
“Frei von allem” ist kein Zuchtziel
Eine gesunde Population braucht Vielfalt. Bei einer normalen rezessiven Erkrankung ist es häufig sinnvoller, einen Träger mit einer genetisch freien Katze zu verpaaren und die nächste Generation gezielt auszuwählen, statt eine ganze Linie zu verlieren.
Testergebnisse sind Werkzeuge, keine Urteile. Gesundheit, Wesen, Verwandtschaft, Fruchtbarkeit, Lebensdauer, klinische Untersuchungen und der gesamte Genpool müssen zusammen betrachtet werden.
Ein DNA-Test kann …
- bekannte Varianten für Chocolate, Verdünnung, Point und Birma-Handschuhe zeigen
- unsichtbare Träger erkennen
- relevante Paarungsplanung unterstützen
- mit speziellen Tests die Elternschaft bestätigen
Ein DNA-Test kann nicht …
- perfekte Handschuhhöhe oder Symmetrie vorhersagen
- klinische Untersuchungen ersetzen
- komplexe Krankheiten wie FIP vollständig erklären
- einen engen Genpool durch bloßes Entfernen “positiver” Ergebnisse gesund machen
Zuletzt aktualisiert: 4. Oktober 2026
